mein Buch

zur Leseprobe
Auf dieser Seite, möchte ich mein Buch noch etwas genauer vorstellen:

Als mir im Sommer 2000 wegen eines Chondro-Sarkroms der gesamte Kehlkopf entfernt werden musste, brach für mich und meine Familie eine Welt zusammen.
Dennoch habe ich als lebens-bejahender Mensch mit Unterstützung meiner Familie gelernt, meine Behinderung anzunehmen und mit ihr umzugehen.
Ich habe mit Hilfe von Sprechventilen wieder sprechen gelernt und kann mit meiner Frau sogar wieder unseren Hochleistungssport, den Turniertanz, auszuüben. Im September 2003 wurden wir Landesmeister von Baden-Württemberg und tanzen in der höchsten deutschen Turniertanz-Klasse, der Sonderklasse.
Möglicherweise bin ich der einzige Kehlkopflose in Deutschland, der Turniertanz (Standard-Bereich) als Leistungssport betreibt.

Ich habe die Zeit vor meiner Operation, den Klinikaufenthalt, mehrere Reha sowie die Monate und Jahre danach in einem Buch festgehalten und aufgearbeitet.

In diesem sehr persönlich gehaltenen Buch schreibe ich über den schweren Weg zur Bewältigung meines neuen Lebens, über Fortschritte und Rückschläge, Freude und Enttäuschungen, die ersten Sprechversuche hin bis zu eigenen Erfahrungen im Alltag, dem Umgang mit anderen Menschen, der Unterrichtung von vier Sportgruppen mit ca. 40 Paaren und dem Erreichen von eigenen großen sportlichen Erfolgen.

Dieses Buch mit zunächst nur wenigen Exemplaren war als Aufarbeitung meiner Krankheit und als Dank an meine Familie gedacht.
Auf Anraten meiner Frau, dieses Buch doch einem größeren Leserkreis zur Verfügung zu stellen, habe ich mich nach längerm Zögern entschlossen, dies zu tun.

Sollte dieses Buch helfen, anderen Menschen Mut zu machen, ein gleiches oder ähnliches Schicksal anzunehmen und nach vorne zu schauen, wäre dies für mich der größte Lohn.


Es wird immer einen Weg zurück zum Leben geben.
Jeder muss ihn aber für sich selbst finden und auch gehen wollen.

Mein persönliches Motto lautet:
Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.







  Leseprobe aus meinem Buch:



Du kannst ja wieder lachen!
Kehlkopfkrebs - mein Leben danach



... Mögen diese Aufzeichnungen anderen Menschen - sofern sie sie je lesen sollten - Mut machen, ein gleiches oder ähnliches Schicksal anzunehmen und nach vorne zu schauen. Es wird immer einen Weg zurück zum Leben geben.
Jeder muss ihn aber für sich selbst finden.

...Es ist Chefvisite. Der Professor kommt mit großem Gefolge ins Zimmer und widmet sich zunächst meinem Bettnachbarn. Ich sitze in Jogginghose und T-Shirt auf meiner Bettkante und warte darauf, dass ich an der Reihe bin.
"So, Herr Pöhner. Wir haben jetzt endlich das Ergebnis der Gewebeuntersuchung vorliegen. Es hat etwas länger gedauert, aber wir wollten mit der Diagnose ganz sicher gehen. Ich kann Ihnen leider keine gute Nachricht bringen." Ich schrecke auf. Was will er denn damit sagen?
"Der Knoten ist leider bösartig."
Was hat er da gesagt? Bösartig? ... Chondro-Sarkom ... bösartig ... bösartig ... bösartig...
Ich merke gar nicht, wie der Professor mit seinen Ärzten das Zimmer verlässt. Ich sitze wie gelähmt auf der Bettkante und kann mich nicht mehr rühren. Mein ganzer Kopf dröhnt und ist ausgefüllt mit dem Wort: b ö s a r t i g
Aber das kann doch gar nicht sein! Sie müssen sich irren! Ich war noch nie in meinem Leben ernsthaft krank! Es ist doch nur ein Knoten, der einfach rausgeschnitten werden muss. Ich habe doch keinen Krebs! Ich doch nicht. Krebs bekommen doch nur die Anderen...

... Jetzt weiß ich also, warum keine Luft mehr durch Mund und Nase strömt. Ich bin ab sofort ein sogenannter Halsatmer...

Untersuchungen und Behandlungen bewirken, dass ich mich mit dem Ergebnis meiner Operation näher beschäftige. Ich stehe bewusst vor dem Spiegel und betrachte mich. Ein etwas aufgeschwemmtes Gesicht schaut mir entgegen. Ein großer Verband verdeckt meinen Hals. Links und rechts hinter den Ohren ist eine dicke rote Narbe zu erkennen, die unter dem Verband verschwindet. Ich nehme den Verband ab und erschrecke. Die Narbe ist geklammert und rot geschwollen. Sie zieht sich am Hals in einer geraden Linie weiter nach unten und trifft am oberen Ende des Brustbeis, zwischen den großen Halsmuskeln, zusammen. Dort sehe ich eine Kanüle aus Kunststoff, die von einem Band gehalten wird. Ich öffne das Band und ziehe vorsichtig. Die Kanüle löst sich, ist verschleimt und voller Blutreste. Sie sieht aus wie ein Röhrchen und ist nach außen wie ein kleiner Trichter geformt.
Ich bin geschockt und fasziniert zugleich: mich starrt aus dem Spiegel ein Loch an...

..."Herr Pöhner, halten Sie mal die Kanüle zu und sagen Sie: Ach du meine Güte. Probieren Sie es mal." Ich zucke die Schultern und bedeute ihm, dass es keinen Zweck hat, dass es nicht geht. Trotzdem folge ich ihm ans Fenster, hole Luft, atme aus, halte die Kanüle zu und presse die Luft nach oben. Nichts.
Ich wiederhole das Ganze. Wieder nichts.
"Sie atmen jetzt mal nicht ein und ich halte Ihnen die Kanüle zu. Dann versuchen Sie es zu sprechen: Ach du meine Güte." Er wartet bis ich ausgeatmet habe und hält dann die Kanüle zu. Zuerst versuche ich nach Luft zu schnappen, aber ich bekomme keine. Atemnot will bei mir aufkommen. Ich versuche ruhig zu bleiben, presse die Restluft nach oben und forme mit Mund und Lippen die Worte "... ... ... Güte".
Mein Gott, ich habe gesprochen!! Ich habe das Wort "Güte" gesprochen! Klar und deutlich. Alle haben es gehört. Die Erkenntnis, dass ich ein Wort gesprochen habe, wenn auch nur ein einziges, ist überwältigend und trifft mich völlig unvorbereitet. Ich schaue den Oberarzt mit großen Augen an, der lächelt. "Na also, Sie können doch sprechen!"...

... Ende Mai ist das Wetter dann endlich so warm, dass ich beschließe, mit Joggen zu beginnen. Dazu wähle ich, nach Absprache mit Ingrid, eine ebene, asphaltierte Strecke zwischem unserem und dem Nachbarort aus, auf der lediglich Fußgänger und Radfahrer zugelassen sind. Sollte wirklich etwas sein, würde ich sofort Hilfe erhalten können. Unsere ehemalige Joggingstrecke führt durch einen Wald, ist nicht sehr frequentiert und daher ungeeignet.
Ich fahre mit dem Fahrrad zum Ausgangspunkt und starte begeistert. Aber schon nach wenigen Metern habe ich ein Problem: durch das starke Einatmen wird mein Schutztuch so gegen die Kanüle gepresst, dass ich keine Luft mehr bekomme. Ich muss abstoppen und gehen. Das Tuch abnehmen möchte ich nicht. Die Gefahr, dass ein Insekt in die dann offene Kanüle und damit in die Luftröhre gerät, ist zu groß. Lösung des Problems: ich ziehe das Tuch weiter aus dem Jackenausschnitt und klemme es fest. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal ein luftdurchlässigeres Tuch und einen zusätzlichen Abstandhalter zu benutzen.
Nächster Versuch. Mit der Luft klappt es ganz gut, aber wieder ein Stopp: ich japse nach Luft, habe keine Kondition. Dabei bin ich noch keine hundert Meter gelaufen. Ich gehe ein Stück, laufe wieder. Dazu nehme ich mir eine Bank oder einen Baum als Zwischenziel. Dann wieder laufen. Ich merke, wie mir die Beine schwer werden., aber ich zwinge mich dazu, das nächste Ziel zu erreichen. Nach schier endloser Zeit kommt die "Wendemarke" in Sicht und ich gönne mir einige Minuten Pause. Dann geht es zurück.
Das nächste Problem: Hunde! Anscheinend bin ich für sie ein Flüchtender. Leider sind die Biester oft nicht angeleint und stürmen auf mich zu. Ihre Herrchen rufen sie wie sie wollen, die Vierbeiner hören einfach nicht. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu gehen. Damit bin ich für sie uninteressant geworden. Anderntags sehe ich vor mir einen angeleinten Hund, aber die Leine ist sehr lang. Was soll ich tun? Rufen kann ich ja nicht. Also klatsche ich in die Hände und mache mich so bemerkbar. Prima, der Hundebesitzer hat mich gehört, hat verstanden, und hält den Hund kurz.
Das "in-die-Hände-klatschen" ist aus der Not heraus geboren und hat sich immer bestens bewährt: ich habe mit Ingrid abgesprochen, dass ich immer dann, wenn ich sie rufe und meine Stimme zu leise ist, in die Hände klatsche, und so auf mich aufmerksam mache. Auch eine Art der Verständigung...
In der nächsten Zeit gehe ich dem "Hundeproblem" aus dem Weg, indem ich einfach später laufe.
In den folgenden Tagen kann ich die Abstände zwischen Laufen und Gehen immer mehr vergrößern, die Pausen werden kleiner. Nach etwa vier Wochen schaffe ich es, die gesamte Strecke, etwa dreieinhalb Kilometer, an einem Stück und ohne Pause zu laufen. Das hätte ich niemals zu hoffen gewagt! Auch das habe ich also hinbekommen.
Ich bin stolz.
Ein unglaublicher Gedanke keimt in mir auf, vor dem ich zunächst zurückschrecke. Aber dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los...



Bestellmöglichkeiten: beim Karin Fischer Verlag (www.karin-fischer-verlag.de), im Internet (z.B. www.amazon.de) bzw. im Buchhandel unter ISBN 3-89514-579-3 zum Preis von 11,50 EUR